Gastartikel von: Thomas Laszlo
Interimmanager werden häufig in Situationen eingesetzt, in denen Unternehmen unter Zeitdruck stehen: Transformationen, Restrukturierungen, Krisen oder die Überbrückung von Führungsvakanzen. Ziel ist es, schnell Stabilität herzustellen und die Organisation handlungsfähig zu halten.
Mit dieser Verantwortung steigt jedoch auch das persönliche Haftungsrisiko. Entscheidungen werden unter Zeitdruck getroffen und haben oft unmittelbare wirtschaftliche und rechtliche Folgen. Ein Risiko wird dabei häufig unterschätzt: der Stillstand des Unternehmens.
Stillstand kann schnell entstehen
Kritische Ereignisse treten häufiger auf, als viele Organisationen erwarten, wie zum Beispiel:
- Cyberangriffe oder IT-Ausfälle
- Produktionsstörungen
- Ausfall wichtiger Lieferanten
- Stromausfälle oder infrastrukturelle Probleme
Fehlt in solchen Situationen ein klares Vorgehen, entstehen schnell operative Lücken: Zuständigkeiten sind unklar, Entscheidungen verzögern sich und Kommunikation bricht zusammen.
Die Folgen können erheblich sein:
- Umsatzausfälle
- Vertragsverletzungen und Pönalen
- Reputationsschäden
Neben dem Unternehmen kann auch der verantwortliche Interimmanager in den Fokus geraten.
Haftung entsteht oft durch fehlende Vorbereitung
In Haftungsfragen geht es selten darum, ob ein Ereignis grundsätzlich vermeidbar gewesen wäre. Entscheidend ist vielmehr:
War das Unternehmen organisatorisch vorbereitet?
Typische Fragen sind:
- Wurden wesentliche Risiken erkannt?
- Gibt es Maßnahmen für kritische Störungen?
- Existiert ein strukturiertes Vorgehen für den Krisenfall?
Gerade Interimmanager übernehmen häufig Verantwortung in Organisationen, deren Krisenfähigkeit zunächst unklar ist.
Business Continuity Management als Absicherung
Deshalb gehört es zu den ersten Aufgaben eines Interimmanagers, die organisatorische Krisenvorsorge zu prüfen. Hier spielt Business Continuity Management (BCM) eine zentrale Rolle.
BCM stellt sicher, dass kritische Geschäftsprozesse identifiziert, Risiken bewertet und klare Notfallmaßnahmen definiert werden. Dazu gehören unter anderem:
- Bewertung kritischer Prozesse
- Analyse möglicher Störszenarien
- Notfallpläne und Krisenorganisation
- klare Kommunikationsstrukturen
Für Unternehmen bedeutet das höhere Resilienz. Für Interimmanager schafft es nachvollziehbare organisatorische Sorgfalt.
Dokumentation ist entscheidend
In der Praxis geht es weniger um perfekte Lösungen als um nachvollziehbare Entscheidungen. Bereits ein pragmatisches Vorgehen kann viel bewirken:
- Kritische Prozesse identifizieren
- Stillstandsszenarien bewerten
- Notfallmaßnahmen definieren
- Entscheidungen dokumentieren
Diese Transparenz schützt das Unternehmen – und reduziert zugleich das persönliche Haftungsrisiko der verantwortlichen Führungskräfte bzw. Interimmanager.
Fazit
Interimmanager werden oft in schwierigen Situationen eingesetzt. Gerade deshalb sollte zu Beginn eines Mandats geprüft werden, ob das Unternehmen über grundlegende Strukturen zur Krisenbewältigung verfügt.
Eine funktionierende Krisenvorsorge schützt nicht nur den Geschäftsbetrieb, sondern auch jene, die in herausfordernden Situationen Verantwortung übernehmen.
Foto: Theresia Kaufmann