Warum bei Interim Management nicht die Branche, sondern die Ausgangssituation zählt!
In vielen Unternehmen herrscht die Überzeugung, dass nur ein Manager mit tiefen Branchenkenntnissen die Herausforderungen im eigenen Betrieb meistern kann. „Unsere Branche ist anders“, hört man häufig. Doch aus der Perspektive eines erfahrenen Interim Managers kann ich Ihnen sagen: Diese Aussage ist meist ein Trugschluss.
Das Aha-Erlebnis eines Branchenwechsels
Letzten Dienstag durfte ich wieder einmal erleben, wie spannend und bereichernd es ist, Branchengrenzen zu überwinden. Ein Fashion-Händler, der tief in der Verlustzone steckte, suchte händeringend nach einer Lösung. Gesucht war jemand, der nicht nur die schwierige Vertriebssituation retten, sondern auch das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen konnte – insbesondere im Online-Geschäft.
Die naheliegende Idee? Einen Manager aus der Modeindustrie finden. Doch auf den ersten Blick war kein geeigneter Kandidat verfügbar. Stattdessen haben wir uns auf etwas anderes konzentriert: die Ausgangssituation.
Die Lösung? Ein Manager, der zuvor einen Elektronik-Händler erfolgreich restrukturiert hatte. Elektronik und Mode könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein. Doch die Parallelen in den Herausforderungen waren frappierend:
- Ein geschwächtes B2C-Geschäft, das dringend neue Impulse benötigte.
- Ein hoher Vertrauensverlust der Kunden, insbesondere im E-Commerce.
- Ein klarer Fokus auf Verlustminimierung und Effizienzsteigerung.
Dank seiner Erfahrung in einer ähnlich gelagerten Restrukturierung konnte der Manager sofort die richtigen Hebel identifizieren – und sich ohne lange Einarbeitungszeit ans Werk machen.
Die wahre Stärke des Interim Managements: Situatives Denken
Das Beispiel zeigt, warum Interim Manager oft erfolgreicher sind als festangestellte Führungskräfte: Sie denken nicht in Branchenschubladen, sondern in Mustern und Ausgangssituationen. Diese Fähigkeit ist entscheidend, denn die wahren Herausforderungen eines Unternehmens sind oft branchenübergreifend:
- Eine ineffiziente Organisation, die dringend optimiert werden muss.
- Fehlendes Vertrauen der Kunden oder Partner.
- Ein stagnierendes Geschäft, das von außen frischen Wind benötigt.
Ein Manager, der in einer anderen Branche ähnliche Probleme erfolgreich gelöst hat, bringt oft genau die frischen Ideen mit, die innerhalb der Branche fehlen.
Warum „alles anders“ nicht stimmt
Unternehmen neigen dazu, ihre Herausforderungen als einzigartig zu betrachten. Doch die Wahrheit ist: Die Mechanismen des Marktes, die Dynamik von Veränderungsprozessen und die Notwendigkeit, Menschen und Prozesse effizient zu steuern, ähneln sich viel mehr, als man denkt. Das bedeutet nicht, dass Branchenkenntnisse nutzlos sind – doch sie sind bei Weitem nicht so entscheidend, wie oft angenommen.
Stattdessen sollte die Suche nach dem richtigen Interim Manager sich an diesen Fragen orientieren:
- Welche Herausforderungen müssen gemeistert werden?
- Welches Skillset hat der Manager, und wie passt es zur Ausgangssituation?
- Hat der Kandidat bewiesen, dass er ähnliche Probleme lösen kann?
Der Schlüssel: Branchengrenzen überwinden
Die Fähigkeit, Parallelen zu erkennen und den richtigen Manager aus einer „fremden“ Branche auszuwählen, ist der wahre Schlüssel zu einer erfolgreichen Besetzung. Unternehmen, die sich von Branchengrenzen einschränken lassen, verpassen oft die Chance, wirklich transformative Persönlichkeiten für sich zu gewinnen.
Fazit: Mut zur Offenheit
Interim Management lebt von Flexibilität, Schnelligkeit und situativem Denken. Der beste Manager für Ihr Unternehmen ist nicht immer derjenige, der aus der gleichen Branche kommt – sondern derjenige, der Ihre Ausgangssituation am besten versteht und bewältigen kann.
Haben Sie den Mut, Branchengrenzen zu überschreiten. Sie werden überrascht sein, welche Erfolge Sie dadurch erzielen können.